Reis in Österreich? Ja, man glaubt es kaum: in Österreich wächst Reis. Richtiger Reis.

Gehört hatte ich davon schon. Nun ergab sich die Gelegenheit, einen dieser neugierigen Menschen zu treffen, die sich auf dieses Experiment eingelassen haben. Also habe ich mich auf den Weg nach Gerasdorf bei Wien gemacht, um mein erstes Reisfeld in Österreich zu sehen und mehr darüber zu erfahren.

Wer steckt hinter „ÖsterReis“

Es ist der junge, innovative Gregor Neumeyer, der sich mit fünf Landwirten zusammengetan hat, um Reis in Österreich anzubauen. Seit 2015 beschäftigt er sich mit dem Reisanbau in Gerasdorf bei Wien. 2016 wurde erstmals ÖsterReis geerntet.

Gregor hat zwei Felder mit insgesamt drei Hektar, auf denen die zarten Reis-Pflänzchen wachsen.

Er bezeichnet die Reispflanze als „Diva“.

„Weil gerade die jungen Pflänzchen sehr „zuwendungsbedürftig“ sind“, erzählt er lächelnd.

Gregor Neumeyer erklärt den Aufbau des Reiskorns

Gregor Neumeyer erklärt den Aufbau des Reiskorns | © Ideal Regional

Er baut zwei Sorten Mittelkorn-Reis an, mit Saatgut aus Osteuropa, das noch am besten für das österreichische Anbaugebiet passt. Mit den fünf anderen jungen Bio-Landwirten kommen sie insgesamt auf zehn Hektar Reisanbaufläche.

Reis in Österreich? Wie geht das überhaupt?

Es geht, weil Reis nicht unbedingt im Wasser stehend wachsen muss. Angebaut wird nämlich nicht der allgemein bekannte Reis aus überfluteten Feldern, sondern Trockenreis. Trockenreis kann auch in Gegenden wachsen, wo Nassanbau nicht möglich ist. Etwa im Gebirge.

Trockenreis braucht wie alle Pflanzen ebenfalls Wasser, etwas mehr sogar als anderes Getreide. Laut Gregor Neumeyer ist der Wasserverbrauch ungefähr im Bereich dessen, wie es das Marchfeld-Gemüse benötigt.

Allerdings hat der Trockenreis ein paar Nachteile:

  • geringerer Ertrag
  • mehr Unkraut

Das Unkraut wächst nämlich nicht in den überfluteten Reisfeldern, sehr wohl jedoch in den Feldern der Trockenanbau-Reisflächen. Gregor sagt, dass er seiner Familie sehr dankbar ist und es ohne ihre Mithilfe gar nicht schaffen würde. Weil er auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, sind vier Leute ungefähr zwei Tage damit beschäftigt, die schönen Reispflanzenreihen von den Unkrautanteilen zu säubern. Der Einsatz von Schergeräten reicht dafür nicht aus, also zupft die Familie händisch das Unkraut aus.

Reisfeld von ÖsterReis in Österreich

Reisfeld von ÖsterReis | © Ideal Regional

Der Vorteil von Nassreis ist die höhere Erntemenge. 80 Prozent der weltweiten Reisproduktion erfolgt mit dieser Anbaumethode. Bis zu dreimal im Jahr kann Nassreis geerntet werden.

Die Reisfelder in Österreich ständig zu fluten ist allerdings schon allein aus ökologischer Sicht nicht möglich und nicht sinnvoll. Außerdem ist der Boden dafür nicht geeignet, weil er das Wasser nicht halten würde, erfahre ich von Gregor. In unseren Breitengraden ist Trockenreis-Anbau die einzig sinnvolle Anbauvariante.

Und darauf ist Gregor Neumeyer stolz:
„Die Ersten zu sein, die es geschafft haben, weißen Reis in einem nachhaltigen Anbauverfahren in Österreich zu produzieren und zu verarbeiten.“

Der Vorteil von Trockenreis ist wiederum, dass dieser deutlich weniger Schwermetalle aus dem Boden aufnimmt als Nassreis, dessen Wurzeln dauerhaft von Wasser bedeckt sind. Nassreis ist deswegen teilweise mit Arsen belastet.

Es liegt noch viel Arbeit vor Gregor und seinen Kollegen, denn es gibt einfach zu wenig Erfahrung im Reisanbau in Österreich. Und nicht jede Reissorte kann angebaut werden. Gemeinsam mit der AGES, der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, macht er deshalb Sortenversuche.

Warum der Reisanbau in Österreich in den Kinderschuhen steckt

Der Hauptgrund ist, dass Reis Wärme benötigt um zu gedeihen. Konstante 12 bis 15 Grad müssen es zumindest sein. Diese Klimaverhältnisse sind in Österreich nur für wenige Monate im Jahr gegeben. Daher ist die Herausforderung für Gregor herauszufinden, welche Sorten für diese kurze Wachstumsphase überhaupt geeignet sind.

Die Aussaat findet zwischen Mitte April und Mitte Mai statt und geerntet wird normalerweise Mitte September. Wegen dem heißen und trockenen Sommer in diesem Jahr findet die Ernte heuer aber schon Ende August statt.

Übrigens wurde Reis schon mal in Österreich im Marchfeld angebaut. In den 1980er Jahren hatten es einige Bauern versucht.

Wie kam er bloß darauf

Geboren ist die Idee zum Reisanbau bei einem Treffen mit einem guten Freund und einem Glas Bier. Sein Freund wollte immer schon mal Reis anbauen, was Gregor den Kommentar entlockte: „Reis in Österreich? Das geht doch gar nicht.“ Aber die Herausforderung hat er angenommen und bewiesen, dass es geht.

ÖsterReis in der Flasche und verpackt © ÖsterReis

ÖsterReis | © ÖsterReis

Allerdings noch nicht so, dass sie vom Reisanbau alleine leben könnten. Die Reaktion der Menschen, die den ÖsterReis mal gekostet haben, ist durchwegs positiv. Die Nachfrage ist groß und sein österreichischer Reis immer rasch ausverkauft.

Was Gregor an diesem Nischenkonzept gefällt

Der direkte Kontakt mit dem Kunden.

„Es tut einfach gut, wenn man hört: „Ja, der Reis schmeckt wirklich gut.“
Gregor Neumeyer

Gregor Neumeyer erzählt über ÖsterReis

Gregor Neumeyer | © Ideal Regional

 

Von der Ernte, die Gregor mit seinen fünf Mitstreitern einfährt, gehen ca. 80 % direkt an die Konsumenten. 20 % werden an gastronomische Partnerbetriebe verkauft. Nur mit einem einzigen Händler in Wien, mit Meinl, gibt es eine Kooperation.

Schon alleine die geringe Erntemenge macht einen Einstieg in das Einzelhandelsgeschäft wohl nicht sinnvoll. Aber daran hat Gregor auch gar kein Interesse. Denn in Österreich ist das Einzelhandelsgeschäft von nur drei Markführern dominiert. Gregor arbeitet mit seinem Franchise-System nach dem Prinzip „geh direkt zum Konsumenten, denn der sagt dir, ob dein Produkt passt oder nicht“. Und das tut es.

Den Reis gibt es poliert oder als Naturreis. Er ist körniger und muss daher auch länger gekocht werden, ist aber intensiver im Geschmack.

Neben dem Reis selbst versucht Gregor auch die Reis-Abfallprodukte zu verwerten, etwa mit Reis-Bier, Reiskleie oder Reisöl.

Reisbier von ÖsterReis

Reisbier von ÖsterReis | © Ideal Regional

 

Die Geschichte dahinter

Gregor kommt aus einer landwirtschaftlichen Familie, ist aber hauptberuflich im IT-Sektor tätig. Was ihm die finanzielle Rückendeckung gibt, das Konzept mit dem Reis weiterzuverfolgen. Mit großer Unterstützung durch Familie, Freunde und den Kunden, die vom Geschmack des ÖsterReis überzeugt sind.

Familie Neumeyer © ÖsterReis

Familie und Freunde | © ÖsterReis

Immer wieder stößt er bei diesem Projekt auf größere und kleinere Probleme, wie etwa das Dreschen des Reises. Denn die Mähmaschinen sind nicht auf Reis ausgelegt und benötigen eine besondere Reinigung, damit die Reiskörner nicht so intensiv ausgeputzt werden müssen. Da ist Gregor dran, damit die Arbeit für seine Familie weniger wird.

Fazit

Coole Sache, finde ich. Es lebe der Mut, Neues zu wagen. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Der Erfolg ist ihm und seinen Mitstreitern aber garantiert. Also wird es in einigen Jahren wohl noch mehr Reis in Österreich geben.

 

Gregor Neumeyer ist übrigens nicht der einzige Reisproduzent in Österreich.

Im burgenländischen Seewinkel ist der Bio-Bauer Erwin Unger ebenfalls als Reisbauer tätig und in Pamhagen ist es Erich Leyrer.

In der Steiermark findet sich der sogenannte „Steirer Reis“ von Franz Fuchs und Ewald Fröhlich.

 

 

Links:

https://oesterreis.at

https://www.steirerreis.at/

https://diepresse.com/home/leben/ausgehen/4997884/Der-Reis-der-aus-dem-Burgenland-kam

 

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