Entscheidet tatsächlich einzig und allein der Preis darüber, ob Konsumenten zu einem Produkt greifen oder nicht?

Würde man dich als Konsument fragen, was du haben möchtest: Milch, Butter oder Joghurt von einer Kuh, die den Stall nie verlassen hat, mit Gentechnikfutter und Antibiotika gefüttert wurde?
Oder wärst du bereit ein wenig mehr dafür zu zahlen, dass die Tiere ins Freie dürfen, sich von frischem Wiesengras ernähren können und der Bauer von seinem Bauernhof leben kann? Wenn du tatsächlich mitbestimmen könntest, wie das von dir konsumierte Produkt entsteht, wie würdest du entscheiden?

Die ZDF-Dokumentation „Fair statt billig – Mehr Geld für Bauern“

Die ZDF-Dokumentation beschäftigt sich mit möglichen Lösungen für das Problem, dass Bauern oft von der Landwirtschaft alleine nicht mehr leben können, weil die Marktpreise für ihre Erzeugnisse zu niedrig sind.

Viele Konsumenten wiederum schauen hauptsächlich auf den Preis der Lebensmittel, ohne sich Gedanken über die Arbeit zu machen, die hinter den Produkten in den Regalen liegt.

Ist es tatsächlich nicht möglich, den Bauern einen fairen Preis für ihre Milch zu zahlen?

Die Doku zeigt vier Projekte, die das Unglaubliche möglich machen:

Frankreich

  • In Frankreich kämpften die Milchbauern seit Jahren ums Überleben. Bis die Idee entstand, den Konsumenten einfach direkt zu fragen was er tatsächlich möchte, und zwar mittels Internetbefragung. Verbraucher können online entscheiden, was sie haben wollen und was sie bereit sind dafür zu zahlen. Welche Bedeutung es für sie hat, ob der Bauer von seiner Arbeit leben kann oder nicht.
    Die große Überraschung: der Trend geht nicht in Richtung billigere Milch um den Preis, dass die Tiere aus dem Stall nie rauskommen, Medikamente und Billigfutter bekommen. Der Großteil der Verbraucher will das gar nicht.
    Es wurde eine Genossenschaft gegründet mit der Markenbezeichnung „C’est qui le Patron?“ („Wer ist hier der Chef“), mit einschlagendem Erfolg.
    Die Mitgliedsbetriebe müssen sich an bestimmte strenge Richtlinien halten, um ihre Milch direkt über die Genossenschaft vertreiben zu können. Wie sich der Milchpreis zusammensetzt ist klar festgelegt und transparent. Die Milch kostet nur wenige Cent mehr – wovon alle profitieren – der Hersteller, die Tiere und die Verbraucher, die ein Produkt bekommen, das dem entspricht, was sie wirklich wollen.
    120 Bauernhöfe stellen mittlerweile die faire Milch her, Tendenz steigend. Die Produktpalette wurde bereits ausgeweitet und die Herstellung erfolgt nach den Wünschen der Verbraucher. Die Genossenschaft kommt ganz ohne Werbung und Vertrieb aus, das Projekt lebt von den Verbrauchern und deren Nachfrage und Bewertung in den sozialen Medien.

Deutschland

  • Im Chiemgau gibt es die Initiative „Sternenfair“ , bei der die Bauern den Preis bestimmen, unabhängig vom wechselnden Marktpreis.
    Gentechnikfreies Futter ist eine der Ansprüche der Initiative und die Produkte der Mitgliedsbetriebe werden von den Milchverbrauchern gerne angenommen.
    Das Konzept arbeitet nicht profitorientiert und funktioniert seit 5 Jahren.
    Rund 500 Bauern sind bereits dabei.
  • Eine Initiative in Dessau nützt die brachliegenden Stadtflächen, auf denen die Stadtbevölkerung nun Gemüsegärten anlegt. Das Land dafür wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Jeder kann mitmachen, Gärten anlegen, pflegen und ernten.
    Die Zahl der Hobbygärtner in Dessau steigt stetig, mittlerweile ist sogar die Ausweitung auf Tierhaltung geplant. Das Projekt fördert die Sensibilisierung für die Landwirtschaft und bietet der Stadtbevölkerung die Möglichkeit, das tägliche Gemüse direkt aus den kleinen Gärten zu holen.
  • Und schließlich berichtet die ZDF-Doku über „SoLaWi“, eine solidarische Landwirtschaft, die Städter und Bauern in direkte Verbindung bringen will. Die Mitglieder von SoLaWi kaufen bei den beteiligten Bio-Bauern, helfen bei der Ernte und bekommen durch ihre Arbeit wieder ein Gefühl für den Aufwand und den angemessenen Preis.
    Die teilnehmenden Menschen aus der Stadt wissen so genau, woher das Gemüse kommt und wie es erzeugt wird, wenn sie es am Erntetag an die Mitglieder ausliefern.

Fazit:

Den Konsumenten in die Herstellung der Lebensmittel einzuschließen fördert die Erkenntnis, dass Bio und faire Landwirtschaft für alle Beteiligten nur Vorteile hat. Und dies ist auf vielfältige Art möglich, mit ein wenig Einfallsreichtum und Eigeninitiative.

 


Die Dokumentation ansehen in der ZDF-Mediathek

Verfügbar bis 18.07.2019

Dauer 28 Minuten

 

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